IWI-News  

05.06.19 14:17

Eindrücke vom 15. TDWI Roundtable vom 23.05.19

Beim 15. TDWI Roundtable am 23.05.2019 erlebten erneut ca. 80 Teilnehmer aus Wissenschaft und Praxis an der Universität Leipzig zwei spannende Vorträge zu Themen der Data Analytics und des Controllings.

Zunächst berichteten Herr Samuel Schössel (Senior Group Controller, Ströer Dialog Group GmbH) und Herr Stanislav Elinson (Managing Partner, Saxess Software GmbH) über Ihre Erfahrungen bei der Etablierung eines Cloud-basierten Konzerncontrollings für die Ströer SE im Jahr 2017/2018. Hierbei schilderten Sie zunächst die Ausganglage, wonach in kurzer Zeit mehrere mittelständische Unternehmen mit heterogenen Buchhaltungsanwendungen und Berichtsstrukturen in die Konzernstruktur einzugliedern waren. In diesem Zusammenhang bestand die Herausforderung, die neuen Tochterunternehmen schnell auf die höheren Reporting-Anforderungen eines börsennotierten Unternehmens vorzubereiten, und die zum Teil bislang manuell ausgeführten Aktivitäten im Berichtswesen zu beschleunigen und zu automatisieren. Nach der Auswahl einer bereits innerhalb der Konzernstruktur eingesetzten Finanzanwendung (Corporate Planner) als übergreifendes System und der Verknüpfung der Datennetze der Tochtergesellschaften zur Übermittlung der Buchhaltungsdaten an eine zentrale Instanz fiel die Entscheidung für den operativen Betrieb zugunsten einer Cloud-Plattform (MS Azure). Die Gründe hierfür lagen in einer Entlastung der internen Konzern-IT, in der kurzen verfügbaren Zeitspanne bis zur geplanten Produktivsetzung, in einer direkten Zugriffsmöglichkeit für den IT-Dienstleister (Saxess) sowie in einer sehr hohen Ausfallsicherheit. Die anschließende Diskussion konzentrierte sich u.a. auf die als unkritisch eingeschätzte Problematik bezüglich der Speicherung sensibler Daten bei einem amerikanischen Cloud-Dienstleister durch die Verwendung von Servern in den Niederlanden und das genaue Vorgehen beim Datenupload.

Im zweiten Vortrag erläuterte Herr Daniel Burdensky (Management-Berichtswesen, BMW Group - Werk Leipzig) einen analytischen Ansatz zur quantitativen Bestimmung von Wechselwirkungsbeziehungen von Prozesskennzahlen. Dieser Ansatz geht davon aus, dass die Veränderung einzelner Kennzahlen (z. B. infolge von Störereignissen oder bewussten Steuerungen) Auswirkungen auf andere Kennzahlen innerhalb dieses Prozesses oder bei sequenziell / parallel ablaufenden Prozessen hat. Wie in vielen Unternehmen sind derartige Zusammenhänge vielfach nur als gefühltes Wissen bei den Mitarbeitern vorhanden und nicht quantitativ fundiert. Eine Identifizierung relevanter Kennzahlen eines Prozesses, deren Einteilung in Input-, Output-, Stör- und Steuergrößen, die nachfolgende Korrelationsanalyse von Kennzahlenzeitreihendaten sowie die anschließende Darstellung der Korrelationsbeziehungen in einem Kennzahlengraphen zeigt Prozessmitarbeitern und Führungspersonal Wirkzusammenhänge und mögliche Steuerungsmöglichkeiten auf. Der nachfolgende Dialog mit den Zuhörern erörterte die nicht zu erreichende vollständige Berücksichtigung aller möglichen Einflussfaktoren in Form von Kennzahlen und die Eignung der Korrelationsergebnisse zur Entscheidungsunterstützung bzw. -vorbereitung anstatt zu einer vollautomatisierten Prozesssteuerung.

Unser Dank gilt den Referenten für ihre Vorträge und wir freuen uns, am 24.10.19 zum 16. Roundtable wieder zahlreiche Teilnehmer an der Universität Leipzig begrüßen zu können.

Text: Christian Hrach (hrach(at)wifa.uni-leipzig.de), Prof. Dr. Rainer Alt (rainer.alt(at)uni-leipzig.de), Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität Leipzig, www.iwi.uni-leipzig.de/as






letzte Änderung: 12.05.2016