Forschungsbericht  

Am IUFB werden folgende Forschungsprojekte verfolgt:

Forschungsthema: Unternehmensbewertung bei Kursgewinnbesteuerung

Projektleiter: Prof. Dr. Ralf Diedrich

Kurzbeschreibung: Mit der Einführung einer Abgeltungsteuer 2009 werden neben Zins- und Dividendeneinkommen auch realisierte Kursgewinne in Deutschland auf persönlicher Ebene besteuert. In Bezug auf die Unternehmensbewertung ist zu klären, wie die geänderten Steuerregelungen im Bewertungskalkül zu berücksichtigen sind. Dazu sollen allgemeine Bewertungsgleichungen bei einer differenzierten Besteuerung von Ausschüttungen und Kursgewinnen entwickelt werden.

 

Forschungsthema: Mental Accounting, Prospect Theorie und Budgetierung

Projektleiter: Prof. Dr. Ralf Diedrich

Kurzbeschreibung: Zielvorgaben spielen in der ökonomischen Realität eine große Rolle. Man begegnet ihnen in der Praxis und auch auf theoretischer Ebene in vielen Bereichen, nicht nur im Rahmen der Unternehmensrechnung, sondern etwa auch in der Organisationstheorie oder in der Theorie der Unternehmensführung. Negative Abweichungen von Zielvorgaben sind häufig Anlass für Sanktionen, sei es in Form von Lohn- oder Gehaltseinbußen oder auch nur in Form unterbleibender Anerkennung oder Hinweisen auf mangelnde Aufgabenerfüllung. Im Rahmen des Projektes wird untersucht, inwiefern die Prospect Theorie von Kahneman/Tversky und deren Erweiterung, die Cumulative Prospect Theorie, in der Lage sind, die motivatorischen Wirkungen von Zielvorgaben zu erklären.

 

Forschungsthema: Welche Verteilungsmodelle erfüllen die Location-Scale-Eigenschaft und rechtfertigen damit die Verwendung der Sharpe Ratio?

Projektleiter: Prof. Dr. Frank Schuhmacher

Kurzbeschreibung: Die schwächste Bedingung zur Rechtfertigung der Sharpe Ratio ist die Location-und-Scale-(LS)-Eigenschaft  (vgl. Sinn, 1983; Meyer, 1987). Die Normalverteilung und die Extremwertverteilung erfüllen zum Beispiel diese Eigenschaft. Dass die LS-Bedingung immer noch weitgehend unbekannt ist, wird sehr deutlich, wenn man untersucht, wie viele Autoren in den letzten Jahren Alternativen zur Sharpe Ratio vorgeschlagen haben, weil sie glauben, dass die Bedingung zur Rechtfertigung der Sharpe Ratio verletzt sind. Aus diesem Grund besteht das Ziel dieses Projekts darin, zu untersuchen, welche Verteilungen die LS-Bedingung erfüllen und welche sie nicht erfüllen.

 

Forschungsthema: Eine Entscheidungstheoretische Fundierung drawdown-basierter Performancemaße

Projektleiter: Prof. Dr. Frank Schuhmacher 

Kurzbeschreibung: Das Ziel dieses Projekts ist der Nachweis, dass die LS-Eigenschaft auch die Verwendung geeignet definierter drawdown-basierter Performancemaße rechtfertigt. Weil drawdown-basierte Performancemaße analytisch nicht handhabbar sind, soll dieser Nachweis in erster Linie über Simulationen erfolgen.

 

Forschungsthema: Wann spielt die konkrete Wahl des Performancemaßes keine Rolle?

Projektleiter: Prof. Dr. Frank Schuhmacher 

Kurzbeschreibung: Eling und Schuhmacher (2006) haben gezeigt, dass aus praktischer Sicht die  Wahl des Performancemaßes keine große Rolle spielt, weil alle untersuchten Per­for­mance­­maße real existierende Investmentfonds fast identisch reihen. Im Rahmen dieses Projekts sollen die theoretischen Rahmenbedingungen untersucht werden, unter denen die Reihung von Investmentfonds tatsächlich für alle Performancemaßes identisch ist.

 

Forschungsthema: Empirische Validität des CCAPM im Euroraum

Projektleiter: Dr. Benjamin R. Auer 

Kurzbeschreibung: Genau wie sich die OLS-, GLS-, IV- und ML-Schätzung auf die verallgemeinerte Momentenmethode GMM zurückführen lassen, kann jedes Kapital­markt­modell als Spezialfall der einfachen Bewertungsgleichung pt = E(mt+1xt+1) betrachtet werden, wobei pt der Preis eines Wertpapiers, xt+1 der Payoff des Papiers und mt+1 der sog. stochastische Diskontfaktor sind. Wird der stochastische Diskontfaktor über verschiedene Nutzenfunktionen modelliert, entsteht die Klasse konsumbasierter Kapitalmarktmodelle, die sich historisch größtenteils als wenig geeignet zur Erklärung von Aktienrenditen herausgestellt und damit in den Hintergrund gerückt ist. Eine euroraumumfassenden Studie soll nun diese Modellklasse rehabilitieren. Neben einem sich bei Modellformulierung in Form von stochastischen Diskontfaktoren anbietendem GMM-Schätzansatz, der weniger restriktive An­nahmen (im Vergleich zu historisch typischerweise durchgeführten OLS- und IV-Schätzungen von Linearisierungen der Modelle) hinsichtlich der Renditestruktur in der Grundgesamtheit trifft und keine Modelllinearisierung erfordert, sollen dazu auch der Varianzschrankenansatz von Hansen und Jagannathan und damit verbundene Hansen-Jagannathan-Distanzschätzungen eingesetzt werden.

 

Forschungsthema: Reale Risikoprämien auf europäischen und amerikanischen Aktienmärkten

Projektleiter: Dr. Benjamin R. Auer  

Kurzbeschreibung: Verschiedene Formen von Dividendenbarwertmodellen eignen sich dazu, bei vorliegenden Aktienkursen und in Zukunft erwarteten Dividenden implizite Aktien­risikoprämien zu bestimmen. Historisch verwendete Ansätze gewinnen dabei erwartete Dividenden durch das Heranziehen laufender Dividenden, die man mit Gewinn­wachstums­erwartungen aus IBES-Prognosen wachsen lässt. Nachteil derartiger Verfahren ist, dass damit Gewinnschocks im laufenden Jahr, die in der Regel als in der Zukunft als konstant an­ge­nommene Aktienrisikoprämie verzerren. Um derartige Schocks auszublenden wurde daher in einem neuartigen Ansatz ein Barwertmodell aufgestellt, welches sich IBES-Gewinn­schätzungen und Consensus-Inflationserwartungen (da Bestimmung realer Größen) sämtlicher ver­fügbarer Fristigkeiten bedient und daraus über eine geschätzte Ausschüttungsquote erwartete Dividenden bestimmt. Resultat sind Zeitreihen realer Risikoprämien für den amerikanischen und europäischen Wirtschaftsraum, die am aktuellen Rand Rekordhöhe aufweisen.

 

Forschungsthema: Wie gut sind IBES-Gewinnprognosen auf Indexebene?

Projektleiter: Dr. Benjamin R. Auer 

Kurzbeschreibung: Zahlreiche Studien haben sich mit der Güte von IBES-Prognosen auf Unternehmensebene auseinandergesetzt und kommen dabei zu dem allgemeinen Ergebnis, dass diese verzerrt und ineffizient sind. Da allerdings Tendenzen zu zunehmender Prognose­güte auf höheren Aggregationsniveaus (also auf der Ebene von Gewinnprognosen für Aktien­in­dizes, die aus Prognosen auf Unternehmensebene entstehen) erkennbar sind, wird mittels klassischer regressionsbasierter Rationalitätstests, verschiedenen normierten und nicht-normierten Prognosegütemaßen die Güte (als Punktschätzer) von IBES-Gewinnprognosen für ausgewählte deutsche, amerikanische und gesamteuropäische Indizes untersucht. Darüber hinaus wird mittels verschiedener Unabhängigkeitstests im Theil’schen Prognose-Realisations-Diagramm die Güte von IBES-Prognosen als Richtungsprognosen analysiert.

 

Forschungsthema: Varianzquotienten-Tests und Finanzmarktkrise 

Projektleiter: Dr. Benjamin R. Auer , Dipl.-Wirtsch.-Math. Martin Schuster 

Kurzbeschreibung: Varianzquotienten-Tests gehören mittlerweile zum „State of the Art“ der empirischen Untersuchung von Aktienkursen auf Random Walk Verhalten. Dieses Projekt gibt einen umfassenden anwendungsorientierten Überblick über diese Verfahren und geht insbesondere auch auf aktuelle Bootstrap-Entwicklungen auf diesem Gebiet ein. Darüber hinaus werden sämtliche Tests zur Beantwortung der Fragestellung herangezogen, ob die aktuelle Finanzmarktkrise auf internationalen Aktienmärkten zu einer Änderung der Random Walk Struktur geführt hat. Eine Untersuchung von 55 weltweiten MSCI-Aktienindizes gibt dabei nicht nur Hinweise auf das häufigere Auftreten von Random Walks bei Industrieländern im Vergleich zu Schwellen- und Entwicklungsländern, sondern zeigt zugleich, dass es bei ersteren seltener zu einer von der Finanzmarktkrise induzierten Änderung der Random Walk Struktur kommt. In diesem Zusammenhang zeigt sich außerdem, dass die Wahl des Testverfahrens für eine derartige Fragestellung kaum eine Rolle spielt.

 

Forschungsthema: Whistle Blowing in Deutschland

Projektleiter: Dr. Esther Pittroff 

Kurzbeschreibung: Obwohl die Einrichtung eines Whistle-Blowing-Systems in der Literatur als vorteilhaft angesehen wird, haben in Deutschland erst wenige Unternehmen derartige Systeme implementiert. Entweder wird die Einrichtung als zu kostenintensiv angesehen, oder die mit dem System verbundenen Vorteile werden von deutschen Unternehmen nicht wahrgenommen. Im Rahmen einer empirischen Untersuchung wird deshalb untersucht, anhand welcher Vor- und Nachteile die Einrichtung oder Nichteinrichtung eines Whistle-Blowing-Systems prognostiziert werden kann. Außerdem werden Gründe für die unternehmensinterne oder -externe Einrichtung des Whistle-Blowing-Systems untersucht. Des Weiteren soll die Untersuchung zeigen, ob Unternehmen, die zur Einrichtung de Whistle-Blowing-Systems gesetzlich verpflichtet sind, die Vor- und Nachteile des Systems anders einschätzen als Unternehmen, die diese Systeme freiwillig einrichten. Dies ist letztendlich auch für die gesetzliche Regulierung des Themas in Deutschland relevant.


letzte Änderung: 07.05.2014