In einer zweisprachigen Online-Umfrage im Mai 2020 erhob das ISB Informationen zur Nutzung urbaner und privater Freiräume während der COVID-19-Pandemie in Leipzig. In der Auswertung werden Rückschlüsse auf die zukünftige Stadtentwicklung vor dem Hintergrund eines gesundheitsfördernden und resilienten urbanen Raumes und Miteinanders gezogen: Wie könnten widerstandsfähigere Städte aussehen, die für eine solche Gesundheitskrise gewappnet sind? Wie können Außenräume zur Eindämmung der Pandemie genutzt und wie kann soziale Interaktionen im Freien aufrechterhalten und ermöglicht werden?

Lene-Voigt-Park im Frühjahr 2020, Foto: Felix zur Lage
Lene-Voigt-Park im Frühjahr 2020, Foto: Felix zur Lage

Nutzung urbaner und privater Freiräume während der Ausgangsbeschränkungen aufgrund der COVID-19-Pandemie

Zeitraum: seit April 2020

Die COVID-19 Pandemie hat unsere Alltagsgestaltung extrem beeinflusst. Auch unser Miteinander wurde dadurch maßgeblich verändert. Durch geltende Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote sind wir angehalten, voneinander Abstand zu halten. Orte sozialer Interaktion und Begegnung werden jetzt ganz neu erfahrbar. In diese Ausnahmesituation bietet sich nun aber auch die Gelegenheit, Einblick in die Anforderungen an eine Stadt der Zukunft zu erhalten und diese möglicherweise zu überdenken. Ein Blick auf verschiedene Städte weltweit zeigt, wie sehr die Pandemie unser Zusammenleben eingeschränkt hat. Dabei übt die Stadt eine nie dagewesene Anziehungskraft auf die Menschen aus. Während in den Siebziger Jahren noch rund 35% der Bevölkerung in Städten lebten, sind es mittlerweile fast 55% der Bevölkerung. Prognosen für die Zukunft sagen einen Anstieg auf bis zu 70% in den nächsten 40 Jahren voraus.

Öffentlicher Raum eine Gefahrenquelle während der Pandemie?

Social Distancing stellt damit nicht nur unsere menschliche Natur als soziales Wesen in Frage, sondern auch den Raum, in dem wir leben: die Städte. Die Vor- und Nachteile des Stadtlebens und unsere gegenwärtige Vorstellung davon sind momentan Gegenstand anhaltender Diskussion. Der öffentliche Raum wird nunmehr als Gefahrenquelle wahrgenommen, in dem das Ansteckungsrisiko steigt. Die Auswirkungen des Lockdowns auf Leipzig sind offensichtlich: während die Straßen nahezu autofrei, die öffentlichen Verkehrsmittel kaum genutzt und die Caféterrassen menschenleer bleiben, erleben andere Orte eine Wieder- bzw. Neubelebung: Wege entlang der Flüsse und Kanäle werden zum Joggen, Radfahren und Spazierengehen frequentiert, Fußwege werden zum Treffpunkt und dienen dem Smalltalk aus sicherer Entfernung, Balkone werden zum Fenster zur Außenwelt und Innenhöfe zum Kinderspielplatz. Es scheint, dass die Leipzigerinnen und Leipziger sich neue Räume erschlossen haben, die die Stadt trotz Wahrung geltender Ausgangs- und Kontaktverbote zu einem Ort sozialer Interaktion und Austausch machen. Was können wir von ihnen lernen? Welche Räume wurden während des Lockdowns zum Zufluchtsort? Wie könnte dies unsere Vorstellung von urbanen Freiräumen verändern?

Ein Artikel für die Umfrage wurde am 03. Mai 2020 im Webzine The Leipzig Glocal in Englisch veröffentlicht.

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