e-Learning  in der Berufsbildung  

Projektbeschreibung
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Projektbeschreibung

elbe schriftzug

Der Lehrstuhl für Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Universität Leipzig führt seit dem 1. November 2001 das Forschungsprojekt „e-Learning in der Berufsbildung" (eLBe) durch.

Im Mittelpunkt des Schulversuchs „e-Learning in der Berufsbildung" steht die Frage, welche Möglichkeiten zur Binnendifferenzierung und Selbststeuerung des Lernens computergestützte Lehr-Lern-Arrangements eröffnen und wie die neuen Medien effektiv im Unterrichtsprozess genutzt werden können.

Mit dem Schulversuch sollen in enger Anbindung an die Optimierung der technischen Ausstattung im Rahmen der Medienoffensive Schule (MEDIOS) des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus pädagogische Einsatzkonzeptionen für die berufsbildenden Schulen getestet, entwickelt und erprobt werden.

Projektphase I

In vielen Bildungseinrichtungen und Unternehmen ist e-Learning bereits ein fester Bestandteil der Aus- und Weiterbildung. Einen Schwerpunkt bildet dabei das Fremdsprachentraining. In diesem Bereich gehört der Umgang mit den neuen Medien vielfach zum Standard der Lehr-Lern-Prozessgestaltung. Lehren und Lernen mit Computer und Internet ist aber nicht per se effektiver als traditionelles Training. Es ist nur dann wirkungsvoller und auch ökonomisch sinnvoll, wenn es pädagogisch fundiert geplant, durchgeführt und kontrolliert wird. Das stößt allerdings auf eine Reihe von Schwierigkeiten:

  • Die aktuelle Situation auf dem Markt für Lernsoftware ist beispielsweise durch ein hohes Maß an Intransparenz gekennzeichnet. Die Hochglanzprospekte der Bildungsanbieter, Verlage und Softwarefirmen versprechen Lösungen für fast alle technischen, fachlichen, ökonomischen und pädagogischen Probleme, wobei der empirische Nachweis dafür vielfach den Abnehmern überlassen bleibt.
  • Fehlende Standards für die Gestaltung und Auswahl der Produkte führen häufig zu suboptimalen Suchstrategien und Suchergebnissen. Investitionen für die Beschaffung von Soft- und Hardware müssen unter Risiko getätigt werden.
  • Zudem findet die Implementation der e-Learning-Angebote in der Praxis häufig ad hoc und ohne Berücksichtigung der Eingangsvoraussetzungen der Lernenden - ihrer Kenntnisse, Einstellungen, Erfahrungen und Erwartungen - statt.
  • Auch die Fähigkeiten, Einstellungen und Erwartungen der Lehrenden werden vielfach kaum berücksichtigt, obwohl beim Einsatz der modernen Medien ein hohes Maß an pädagogischer, technischer und fachlicher Professionalität gefordert ist.

Die geschilderten Probleme waren Gegenstand der ersten Phase des Schulversuchs „e-Learning in der Berufsbildung". Es ging darum, einen Überblick über computergestützte Lehr-Lern-Angebote für den Englischunterricht an der Berufsschule im Berufsfeld „Wirtschaft und Verwaltung" zu gewinnen, die Produkte zu evaluieren und ausgewählte Angebote schulpraktisch zu erproben. Ziel war es, mit e-Learning-Angeboten den unterschiedlichen schulischen Voraussetzungen der Berufsschüler Rechnung zu tragen und eine entsprechende Binnendifferenzierung im Fremdsprachen­unterricht zu ermöglichen. Das am besten geeignete e-Learning-Angebot wurde im Anschluss an den Schulversuch allen kaufmännischen Beruflichen Schulzentren im Freistaat Sachsen zur Verfügung gestellt. In speziellen Fortbildungen wurden und werden die Möglichkeiten der Programme thematisiert und die Lehrenden mit dem unterrichtlichen Einsatz vertraut gemacht. Eine Handreichung für die Lehrenden mit Hinweisen zum Einsatz von e-Lerning-Angeboten im Fremdsprachenunterricht an kaufmännischen Berufsschulen und in anderen Bildungsgängen wurde erarbeitet.

Projektphase II

Mit Beginn des Schuljahres 2002/2003 wurden die Arbeiten zur zweiten Phase aufgenommen und zum Ende des Schuljahres 2003/2004 nach zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen. Ziel war es, neue Möglichkeiten der Beschulung von spezialisierten Einzelberufen mit Hilfe von e-Learning-Modulen zu entwickeln und zu erproben.

Die so genannten „Splitterberufe" nehmen in der dualen Ausbildung tendenziell stark zu. Damit verbunden ist ein gesteigerter Personal- und Sachmitteleinsatz. Immer mehr Lehrkräfte sind erforderlich, um die Qualität des Berufsschulunterrichts zu sichern. Diese müssen zudem über sich dynamisch verändernde fachliche Qualifikationen verfügen.

Im Mittelpunkt des Schulversuchs standen aus dem Bereich der spezialisierten Einzelberufe die im Jahre 2001 neu geschaffenen Dienstleistungsberufe „Kaufmann/Kauffrau im Gesundheitswesen", „Veranstaltungskaufmann/-frau" sowie „Sport- und Fitnesskaufmann/-frau". Es ging vor allem darum, mit Hilfe computer­gestützter Lehr- und Lernformen und den in der ersten Phase gewonnenen Erkenntnissen einen pädagogisch und bildungsökonomisch gleichermaßen sinnvollen Berufs­schulunterricht für die Dienstleistungsberufe auszugestalten. Dazu wurden pädagogische Einsatzkonzeptionen entwickelt, die der Spezialisierung jedes einzelnen Ausbildungsberufs Rechnung tragen und zugleich gewährleisten, dass die Beschulung verschiedener Ausbildungsberufe in einer Klasse und ohne quantitative Erhöhung des Lehrpersonals erfolgen kann.

Projektphase III

Im Mittelpunkt der ab Sommer 2004 gestarteten zweijährigen dritten und letzten Phase des Schulversuchs stand die berufsbegleitende einjährige Fachoberschule in Teilzeit.

Die Fachoberschule bietet die Möglichkeit, die allgemeine Fachhochschulreife zu erwerben. Eine abgeschlossene Berufsausbildung berechtigt zum Eintritt direkt in die zweite Klassenstufe. Diese einjährige Fachoberschule gibt es außer in Vollzeit- auch in Teilzeitform, um insbesondere Berufstätigen den Erwerb der Fachhochschulreife zu ermöglichen. Bei Teilzeitausbildung verlängert sich die Ausbildung auf das Doppelte der Zeit für Vollzeitausbildung. Der Unterricht in Teilzeitform findet i. d. R. abends und auch sonnabends statt. Die Fachoberschule wird in den Fachrichtungen Agrarwirtschaft, Gestaltung, Sozialwesen, Technik sowie Wirtschaft und Verwaltung in Sachsen angeboten.

Hauptproblem ist, dass der Besuch der Fachoberschule zusätzlich zur Berufstätigkeit auf Grund bestehender beruflicher Verpflichtungen (Schichtdienst etc.) für viele Interessenten nicht möglich ist. Der Einsatz von e-Learning könnte entscheidend dazu beitragen, dass sich die Attraktivität dieser berufsbegleitenden Studienqualifizierung erhöht.

Die systematische Förderung von eigenverantwortlichem Lernen und entsprechenden Schlüsselqualifikationen, die Einrichtung außerschulischer Lernorte und die Erstellung von computergestützten Lernmaterialien zu den im Lehrplan ausgewiesenen Inhalten führen zu einer wesentlichen Reduzierung der erforderlichen Präsenzzeiten im jeweiligen Beruflichen Schulzentrum und zu einer erheblichen Erleichterung der Vereinbarkeit zwischen Berufstätigkeit und Studienqualifikation. Die Nutzung der Möglichkeiten individueller Lernwegsteuerung schon in der Eingangsphase soll den unterschiedlichen Voraussetzungen (Lebensalter, Berufserfahrung usw.) der Schüler differenzierter Rechnung tragen und gezielter auf das Lernen in und nach der Fachoberschule vorbereiten.

Die im Rahmen des Schulversuchs "e-Learning in der Berufsbildung" (eLBe) entstandenen Unterrichtsmaterialien (e-Learning-Module für die Fächer Englisch, Volks- und Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen sowie Mathematik) sollen zukünftig auch von anderen berufs- und studienqualifizierenden Bildungsgängen und Schularten genutzt werden. Der Schulversuch bietet hier außerdem die Möglichkeit der zusätzlichen Qualifizierung von Lehrern im Umgang mit moderner Informations- und Kommunikationstechnologie.

Die wissenschaftliche Begleitung lag auch in dieser abschließenden Phase in den Händen des Lehrstuhls für Berufs- und Wirtschaftspädagogik der Universität Leipzig.

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letzte Änderung: 10.05.2013 

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Institut für Wirtschaftspädagogik
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